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Anforderungen an die Reisekostenaufteilung

06.07.10 (Angestellte, Mandantenbrief, Unternehmer)

Bis zur Änderung der Rechtsprechung durch den Bundesfinanzhof (BFH) im Januar 2010 konnten Arbeitnehmer zwar die Ausgaben für die Teilnahme an der Messe oder Fachtagung sowie den Besuch von Geschäftspartnern des Arbeitgebers als Werbungskosten absetzen, wenn sie ausschließlich berufliche Termine wahrgenommen und private Motive – wenn überhaupt – nur eine ganz untergeordnete Bedeutung hatten. Daher wurden Flug-, Fahrt- und Übernachtungskosten nicht anerkannt, wenn der Aufenthalt aus privaten Gründen verlängert wurde oder sich Beruf und Freizeit miteinander vermischten. Hier wurde auf § 12 Einkommensteuergesetz verwiesen, der ein sogenanntes Aufteilungs- und Abzugsverbot vorsieht. Hiernach soll eine Aufteilung der Reisekosten in privat und beruflich nicht möglich sein, und solche gemischten Aufwendungen sind daher insgesamt nicht abzugsfähig.

Laut BFH lässt sich allerdings aus der Vorschrift kein Alles-oder-nichts-Prinzip erkennen, sodass gemischte Kosten durchaus aufgeteilt werden können. Damit hoben die Richter das seit Jahrzehnten geltende Aufteilungsverbot auf (Az. GrS 1/06), wenn

– sich die Aufwendungen klar erkennbar auf einen beruflichen und einen privaten Teil aufschlüsseln lassen.

– der berufliche Anteil der Reise nicht von untergeordneter Bedeutung ist.

– klar erkennbar ist, welche Aufwendungen privat und welche beruflich veranlasst sind. Diese Aufteilung hat im Regelfall nach zeitlichen Aspekten zu erfolgen.

– Arbeitnehmer gegenüber dem Finanzamt ihrer Nachweispflicht nachkommen und den beruflichen Zeitanteil dokumentiert haben.

In zwei Anfang Juni 2010 veröffentlichten Urteilen konkretisiert der BFH nun die geänderte Rechtsprechung und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass Aufwendungen für die Teilnahme an einem Fortbildungskurs zumindest teilweise als Werbungskosten zu berücksichtigen sind, auch wenn der Lehrgang in nicht unerheblichem Umfang Gelegenheit zur Ausübung verbreiteter Sportarten wie Surfen, Biken, Segeln, Tennis und Bergsteigen zulässt (Az. VI R 66/04).

Der Tenor der zweiten Entscheidung ist hingegen einschränkend. So lässt sich die Teilnahme an einer Auslandsgruppenreise nur dann in Werbungskosten und Aufwendungen für die private Lebensführung aufteilen, wenn die beruflichen und privaten Anteile objektiv voneinander abgegrenzt werden können (Az. VI R 5/07). Für eine berufliche Veranlassung einer Auslandsgruppenreise ist neben einer fachlichen Organisation vor allem maßgebend, dass das Programm auf die besonderen beruflichen Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten und der Teilnehmerkreis im Wesentlichen homogen ist.

Quelle: Mandantenbrief – Juni 2010, Seite 12
AM

 


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