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Außergewöhnliche Belastung: Keine Steuerermäßigung bei Sanierung wegen Asbest

20.05.12 (Alle Steuerzahler, Immobilienbesitzer, Mandantenbrief)

Stellt sich im Nachhinein heraus, dass das gekaufte, selbst gebaute oder als Fertighaus erworbene Gebäude mit asbesthaltigen Faserzementplatten verkleidet ist und dahinter Zwischenwände mit Formaldehyd liegen, so können die Kosten für die Beseitigung dieses Schadens nicht als außergewöhnliche Belastung steuermindernd geltend gemacht werden. Zwar sind Krankheitskosten grundsätzlich steuerlich absetzbar. Doch nach dem Urteil vom Finanzgericht Niedersachsen gilt dies nicht für die Fassadensanierung des Eigenheims. Denn bei Aufwendungen zur Sanierung von Gegenständen wie einer Immobilie, von denen eine konkrete Gefahr für die Gesundheit von Menschen ausgeht, handelt es sich nicht um Maßnahmen zur Heilung von Krankheiten oder zumindest zu deren Linderung, betonten die Richter.

Zudem ist eine Hausbeschädigung durch Asbestbelastung kein unabwendbares Ereignis wie Brand, Erdbeben oder Hochwasser, und darüber hinaus die Anschaffung von schadstoffbelasteten Grundstücken kein plötzlich von außen kommendes, willentlich nicht beeinflussbares Ereignis. Da spielt es keine Rolle, dass schon allein wegen der allgemein bekannten Schädlichkeit von Asbestfasern eine abstrakte Gesundheitsgefährdung anzunehmen ist. Vielmehr müssen mindestens konkret zu befürchtende Gesundheitsschäden vorliegen, die eine sofortige Sanierung unerlässlich macht. Ansonsten sind die Baumaßnahmen als eine steuerlich nicht zu berücksichtigende Gesundheitsvorsorge zu beurteilen. Hierbei geht es nämlich allenfalls darum, möglicherweise später drohende Gesundheitsgefahren vorzeitig zu vermeiden.

Betroffene Hauseigentümer müssen eine konkrete Gesundheitsgefährdung daher durch ein von einer zuständigen amtlichen technischen Stelle erstelltes Gutachten nachweisen. Der Bundesfinanzhof hatte zwar im November 2010 (Az. VI R 17/09) entschieden, dass für den Nachweis von Krankheitskosten nicht mehr zwingend ein vor Beginn der Behandlung eingeholtes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten eingeholt werden muss. Trotz dieser Erleichterung bleibt der Steuerzahler aber weiterhin verpflichtet, die medizinische Indikation der getätigten Aufwendungen nachzuweisen. Dabei trägt er das unkalkulierbare Risiko, dass ein Sachverständiger im Nachhinein die medizinische Indikation möglicherweise nicht mehr verlässlich feststellen kann. Dieser Gefahr kann er entgehen, wenn er vor Beginn der Maßnahme auf eigene Initiative ein Attest einholt.

Bei Asbestbelastung müssen die Hausbesitzer also durch Attest nachweisen, dass die Sanierung ihrer Immobilie zur Beseitigung einer konkreten Gesundheitsgefährdung infolge der Freisetzung eines Schadstoffs in das Innere des Hauses unverzüglich erforderlich ist und möglicherweise sogar bereits hierdurch verursachte Krankheiten vorliegen.

Quelle: Mandantenbrief – Mai 2012Seite 4

 


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