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Banken führen weniger Quellensteuer ab

05.07.10 (Kapitalanleger, Mandantenbrief)

Kreditinstitute aus der Schweiz haben von den Kunden aus dem gesamten EU-Raum im abgelaufenen Jahr 2009 mit umgerechnet 388 Mio. Euro Zinssteuer rund 38 Prozent weniger einbehalten als ein Jahr zuvor. Deutsche Anleger stellen dabei mit gut einem Viertel des Gesamtaufkommens den zweitgrößten Anteil, das meiste steuern Sparer aus Italien bei. Nach Angaben des Eidgenössischen Finanzdepartements hatten rund 33.000 Sparer aus der EU ihrer Bank freiwillig erlaubt, Kontrollmitteilungen ans heimische Finanzamt zu übermitteln. Dies könnte ein Grund für den Rückgang des Aufkommens sein. Denn dadurch lässt sich die Zinssteuer vermeiden. Der Quellensteuersatz beträgt derzeit 20 Prozent und steigt ab Mitte 2011 auf 35 Prozent – deutlich mehr als der Tarif der heimischen Abgeltungsteuer mit 25 Prozent.

Österreich, Luxemburg und für 2009 letztmalig Belgien sowie weitere eingebundene Drittstaaten erheben diese Quellensteuer. Die persönlichen Daten der Bankkunden werden zwar intern gemäß der Anweisung in der EU-Zinsrichtlinie erfasst, der Steuereinbehalt erfolgt jedoch anonym. Nur wer die Erträge dem heimischen Finanzamt deklariert, darf die jenseits der Grenze abkassierte Steuer anrechnen. Der entsprechende Eintrag befindet sich auf der Anlage KAP.

25 EU-Staaten sowie Drittländer wie die Cayman-Inseln oder Gibraltar versenden gleich grenzüberschreitend Kontrollmitteilungen über Kapitalerträge nebst Informationen über die Bankverbindung. Die landen auf dem Tisch vom Wohnsitzfinanzamt des Anlegers. Der Sachbearbeiter prüft dann, ob sich die Daten mit den Inhalten der Steuererklärung decken. Damit fallen verschwiegene Auslandskonten mit nur einem Euro Zinsen sofort auf.

Allerdings greift die Zinsrichtlinie noch nicht auf sämtliche Kapitalerträge. Denn bei vielen Produkten fallen derzeit weder Quellensteuer noch Kontrollmitteilungen an. So sind Aktien, Zertifikate, Immobilienfonds, Optionsscheine, Stiftungen, Lebensversicherungen und Terminmarktgeschäfte ausgenommen. Hier will die EU-Kommission jedoch Ausnahmen streichen, insbesondere für Stiftungen, Trusts und Vermögen im Versicherungsmantel sieht sie akuten Handlungsbedarf.

Dennoch müssen Sparer beachten, dass sie die über ausländische Konten und Depots kassierten Kapitaleinnahmen und realisierten Kursgewinne in der heimischen Steuererklärung ab 2009 angeben haben. Dies gilt unabhängig davon, ob sie der Richtlinie unterliegen oder nicht, da Auslandsinstitute für den deutschen Fiskus keine Abgeltungsteuer einbehalten Dann erhebt das heimische Finanzamt die Pauschalsteuer von 25 Prozent im Nachhinein.

Quelle: Mandantenbrief – Juni 2010, Seite 7
AM

 


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