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Firmenwagen: Ansatz des geldwerten Vorteils anhand der tatsächlichen Nutzung

08.02.11 (Arbeit, Ausbildung & Soziales, Mandantenbrief)

Die Privatnutzung des vom Arbeitgeber unentgeltlich überlassenen Betriebs-Pkw gilt als geldwerter Vorteil. Die monatliche Lohnsteuer ermittelt die Firma in der Regel pauschal mit einem Prozent vom Bruttolistenpreis inklusive Zusatzausstattung. Im Rahmen dieser Methode kommen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit zusätzlich 0,03 Prozent des Listenpreises pro Entfernungskilometer für jeden Monat hinzu. Nach Ansicht der Finanzverwaltung ist der Umfang der tatsächlichen Nutzung für die Pendelfahrten ins Büro unerheblich, weil bereits die Verfügbarkeit des Firmenwagens zu einem geldwerten Vorteil führt.

Das Finanzgericht Baden-Württemberg sieht das in einem aktuellen Urteil hingegen anders (Az. 1 K 2195/10). Nutzt ein Arbeitnehmer den ihm von seinem Chef zur Verfügung gestellten Dienstwagen nur wenige Tage im Monat für die Fahrt zur Arbeitsstätte, ermittelt sich der geldwerte Vorteil nur nach der tatsächlichen Nutzung des Pkw und nicht nach der pauschalen und überhöhten Berechnung des Fiskus.

Im entschiedenen Fall musste der angestellte Vertriebsleiter häufig Dienstreisen durchführen, so dass er den Firmenwagen nur gelegentlich für die Fahrt von der Wohnung zur Arbeitsstätte tatsächlich einsetzte. Auch wenn dies deutlich unter dem üblichen Schnitt liegt, verlangte das Finanzamt Lohnsteuer auf den geldwerten Vorteil wie für Arbeitnehmer, die doppelt so häufig in den Betrieb pendeln.

Nach dem Urteilstenor erlauben die Richter bei nur gelegentlichen Fahrten einen Ansatz nach den tatsächlich durchgeführten Strecken. Das berechnet sich je Entfernungskilometer, Fahrt und Monat mit lediglich 0,002 Prozent des Listenpreises und nicht den sonst üblichen 0,03 Prozent. Diese Regelung leitet sich aus der Berechnung für Familienheimfahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung ab. Dies ist auch gerechtfertigt, denn bei den Werbungskosten darf der Arbeitnehmer die Entfernungspauschale auch nur für die Tage ansetzen, an denen er tatsächlich von der Wohnung ins Büro gefahren ist.

Das Finanzamt kann hier nicht argumentieren, der Vielreisende sollte zum Nachweis ein Fahrtenbuch führen. Diese Forderung zu Mehrarbeit und lästigen Aufzeichnungen über das gesamte Jahr hinweg allein für die Wege zur Arbeitsstätte entspricht weder dem Gesetzeszweck noch dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Faustregel: Der Ansatz mit pauschal 0,03 Prozent für jeden Monat geht von der typisierenden Annahme des Gesetzgebers aus, dass der Angestellte seine Arbeitsstätte an 15 Tagen im Monat oder an 180 Tagen im Kalenderjahr aufsucht. Beträgt die Abweichung hiervon weniger als 25 Prozent, muss der Arbeitnehmer eine derart geringfügige Unschärfe der gesetzlichen Typisierung zu seinen Lasten hinnehmen. Denn die Regelung wirkt sich in der weit überwiegenden Zahl der Fälle in erheblichem Maße zugunsten der dienstwagennutzenden Arbeitnehmer aus. Sie berechnen ihren geldwerten Vorteil auch dann für 180 Tage jährlich, wenn die tatsächliche Nutzung im Regelfall bei 220 bis 230 Jahresarbeitstagen liegt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es die 0,002-Prozent-Regel erst bei 11 oder weniger Fahrten im Monat gibt.

Hinweis: Nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs (Az. VI R 54/09) kommen die pauschalen 0,03 Prozent des Listenpreises pro Monat nur insoweit zur Anwendung, wie der Arbeitnehmer den Dienstwagen tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzt hat. Die obersten deutschen Finanzrichter vertreten also die gleiche Ansicht.

Quelle: Mandantenbrief – Februar 2011, Seite 16
AM

 


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