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Keine Quellensteuer auf Stückzinsen

06.12.10 (Kapitalanleger, Mandantenbrief)

Bei Anleihen mit einer fiktiven ausländischen Quellensteuer wird ein Pauschalbetrag von der Steuerlast abgezogen, den Sparer überhaupt nicht bezahlen brauchen. Durch die Einführung der Abgeltungsteuer funktioniert das sogar automatisch, denn die heimische Depotbank verrechnet diese Auslandsabgabe seit 2009 sofort mit der Abgeltungsteuer und führt nur den verbleibenden Differenzbetrag ab. Das kann bei Anleihen aus einigen Ländern dazu führen, dass die endgültige Steuerbelastung bei fünf Prozent liegt und somit eine hohe Nettorendite verbleibt.

Diese Ersparnis über die Verrechnung einer nicht erhobenen Steuer gelingt aber nur bei einer ordnungsgemäßen Zinsauszahlung, meist einmal jährlich. Verkauft der Anleger seine Anleihen vor diesem Ausschüttungstermin, erhält er die bis dahin aufgelaufenen Erträge zwar über Stückzinsen tagesgenau berechnet und muss sie als normale Kapitaleinnahmen der Abgeltungsteuer unterwerfen. Allerdings erfolgt dann keine Anrechnung der ausländischen Quellensteuer. Denn nach dem am 27. Oktober 2010 vom Bundesfinanzhof veröffentlichten Urteil wirkt sich die fiktive Quellensteuer nur aus, wenn es zu einer regulären Zinsauszahlung kommt (Az. I R 94/09). Stückzinsen aus dem Verkauf einer Anleihe gehören hingegen nicht zu den Einkünften aus Schuldverschreibungen und lösen daher keine Anrechnung fiktiver Quellensteuer nach dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen aus. Sofern Sparer solche Anleihen also vor dem Fälligkeitstermin abstoßen möchten, sollten sie zumindest den nächsten Auszahlungstermin abwarten und die günstige Anrechnung noch mitnehmen. Der Verkauf erst einen Tag später rettet das Steuersparmodell.

Und das funktioniert so: Nach dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und einem anderen Staat dürfen zwischen 10 und 20 Prozent der ausbezahlten Zinsen als fiktive Quellensteuer verrechnet werden. Zur Auswahl stehen hier z.B. Länderanleihen aus Portugal, Griechenland, Israel, China, Bolivien, Jamaika, Argentinien oder Uruguay. Bei portugiesischen Bonds sind es beispielsweise 15 Prozent. Hier führt die Bank dann also (25 minus 15) nur zehn Prozent Abgeltungsteuer auf die erhaltenen Zinserträge ab.

Solche fiktiven Anleihen sind nicht risikoreicher als herkömmliche Festverzinsliche mit gleicher Schuldnerqualität. Sie notieren in Euro an deutschen Börsen und können täglich angekauft und verkauft werden. Allerdings ist die Liquidität nicht bei allen Anleihen hoch. Denn viele Sparer oder auch Investmentfonds halten diese steuergünstigen Rentenpapiere bis zur Fälligkeit, sodass es an der Börse an Verkaufsangeboten fehlen kann.

Quelle: Mandantenbrief – Dezember 2010, Seite 7
AM

 


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