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Reiseveranstalter kann für Bahnverspätungen haften

18.12.10 (Mandantenbrief, Verbraucher, Versicherung & Haftung)

Bewirbt ein Reiseveranstalter den Bahntransfer zum Flughafen als eigene Leistung, so muss er für Verspätungen der Bahn einstehen. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden.

Im zugrunde liegenden Fall verlangte die Klägerin von der beklagten Reiseveranstalterin die Erstattung von Zusatzkosten und Aufwendungen, die ihr wegen eines verpassten Fluges entstanden sind. Sie hatte bei der Beklagten eine All-Inclusive-Flugpauschalreise von Düsseldorf in die Dominikanische Republik gebucht.

Der Hinflug sollte am 19.06.2007 um 11.15 Uhr starten. Für die Anreise zum Flughafen nahm die Klägerin das „Meier’s Weltreisen Rail & Fly Ticket“ in Anspruch. Zu diesem Ticket wurde in der Katalogbeschreibung und in einem der Klägerin ausgehändigten Informationsblatt der Beklagten ausgeführt: „Kein Stress und kein Stau mit dem ‚Meier’s Weltreisen Rail & Fly Ticket‘. Bei jeder Flugbuchung aus diesem Katalog ist das ‚Meier’s Welt-reisen Rail & Fly Ticket‘ zweite Klasse der Deutschen Bahn AG zum Flughafen bereits im Preis enthalten! …

Bitte wählen Sie Ihre Verbindung möglichst so, dass Sie den Abflughafen spätestens zwei Stunden vor Abflug erreichen…“.

Die Klägerin wählte einen Zug aus, der planmäßig um 9.08 Uhr am Flughafen Düsseldorf ankommen sollte. Tatsächlich erreichte sie den Flughafen infolge einer Zugverspätung erst um 11.45 Uhr und verpasste den Hinflug der gebuchten Reise. Nach Rücksprache mit der Beklagten reiste sie mit der Bahn nach München und flog von dort aus am nächsten Tag in die Dominikanische Republik.

Die Klage auf Rückerstattung der Zusatzkosten für die geänderte Anreise sowie Ersatz der hierdurch entstandenen Aufwendungen für Unterkunft, Verpflegung und Taxi war in allen Instanzen erfolgreich. Die Beklagte habe aus der maßgeblichen Sicht eines durchschnittlichen Reisenden mit ihrem Gesamtverhalten den Eindruck vermittelt, dass sie den Bahntransfer als eigene Leistung anbiete und für den Erfolg einstehen wolle, so der BGH. Die Bezeichnung des Tickets, die Bewerbung als „bequemen Anreiseservice von Meier’s Weltreisen“ und den Umstand, dass der Transfer im Gesamtreisepreis enthalten sei, sprächen für eine Eigenleistung.

Dass die Auswahl der Bahnverbindung zum Flughafen dem Reisenden überlassen sei, führe jedenfalls hier nicht zu einer anderen Beurteilung. Denn der Reiseveranstalter habe den Transfer ausdrücklich als eigene Leistung beworben, die Vorzüge gegenüber anderen Anreisemöglichkeiten hervorgehoben und detaillierte Hinweise zur Auswahl der Bahnverbindung gegeben, so der BGH. Da die Klägerin ihre Anreise mit dem Zug gemäß den Vorgaben der Beklagten hinreichend sorgfältig geplant habe, müsse die Beklagte für die Mehrkosten der wegen des verspäteten Bahntransfers geänderten Anreise zum Reiseziel aufkommen. Über Schadenersatz- und Minderungsansprüche war im vorliegenden Fall laut BGH nicht zu entscheiden.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 28.10.2010, Xa ZR 46/10

Quelle: Mandantenbrief – Dezember 2010, Seite 28
AM

 


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