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Abgeltungsteuer bereitet dem Fiskus weiter Probleme

11.10.10 (Kapitalanleger, Mandantenbrief)

Wegen der seit 2009 geänderten Besteuerung der Kapitalerträge wurde die Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung völlig neu gestaltet. Das bedeutete für die Finanzverwaltung umfangreiche Änderungen sowie Neuentwicklungen des maschinellen Besteuerungsverfahrens, wodurch sich die Bereitstellung des Softwaremoduls zur Bearbeitung der Anlage KAP verzögert hatte. Auch viele Kreditinstitute hatten Probleme, die Regelungen der Abgeltungssteuer programmtechnisch umzusetzen.

Das Bayerische Landesamt für Steuern weist darauf hin, dass die Finanzämter Ende Juli 2010 in einigen Bereichen immer noch nach Lösungen suchen wenn es um die programmtechnische Umsetzung der geänderten Regelungen zur Abgeltungssteuer geht. Derzeit können Fälle nicht bearbeitet werden, sofern Anleger Verluste geltend machen wollen. Das betrifft Sparer insbesondere in fünf Bereichen:

1. Sie machen über die Einkommensteuererklärung 2009 negative Kapitaleinkünfte geltend – beispielsweise den Verlust aus dem Verkauf von nach 2008 erworbenen Aktien oder aus bezahlten Stückzinsen.

2. Im Rahmen der Veranlagung werden erlaubte Antragswahlrechte zur Verlustverrechnung ausgeübt.

3. Es geht um Verlustverrechnungen mit Spekulationsgeschäften – zum Beispiel das noch nicht verbrauchte Minus aus Jahren vor 2009 durch den Verkauf von Wertpapieren, Immobilien oder sonstigen Wirtschaftsgütern (Gold, Kunstsammlung).

4. 2009 sind noch Spekulationsverluste mit Wertpapieren entstanden, die bereits an Silvester 2008 im Depot lagen.

5. Die EDV kann darüber hinaus Minusbeträge aus Stillhaltergeschäften nicht berücksichtigen, die vor 2009 unter die sonstigen Einkünfte fielen.

Die programmtechnische Realisierung soll ca. im August erfolgen können, wenn noch offenen Fachfragen auf Bundesebene geklärt worden sind. Als Übergangslösung bieten die Finanzämter den hiervon betroffenen Anlegern bis dahin an, zunächst auf eine Verlustverrechnung zu verzichten und die Veranlagung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung durchzuführen. Der Ansatz der Verluste wird dann zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, ohne dass hierfür ein erneuter Antrag erforderlich ist.

Auch wenn es den Finanzämtern bald möglich sein sollte, rote Zahlen aus der Geldanlage mithilfe der EDV zu

bearbeiten, sollten Sparer einen kritischen Blick auf die Ergebnisse werfen. Denn es ist nicht garantiert, dass die Steuerbescheide dann sämtliche Verluste korrekt berücksichtigen.

Quelle: Mandantenbrief September 2010, Seite 7
AM


 


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