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Angestellte Krankenhaus-Ärzte haften nicht für Fehler von Hebammen

08.04.10 (Ehe, Familie & Erben)

Ein bei einem Krankenhaus angestellter Kreißsaalarzt muss nicht für Fehler einstehen, die einer Hebamme unterlaufen sind. Die Hebamme ist auch, nachdem der angestellte Kreißsaalarzt die Geburt übernommen hat, nicht dessen Erfüllungs- oder Verrichtungsgehilfe. Das bedeutet laut Landgericht (LG) Osnabrück, dass für einen Fehler der Hebamme diese und das Krankenhaus, bei der sie angestellt ist, haften.

In dem zugrunde liegenden Fall forderte die Krankenkasse eines heute 26-jährigen Mannes von der beklagten Ärztin Schadenersatz aus übergegangenem Recht.

Der Mann war bei seiner Geburt schwer verletzt worden. Die beklagte Ärztin hatte damals seine Mutter zunächst untersucht und dann die weitere Überwachung der Geburt der Hebamme überlassen. Sowohl Ärztin als auch Hebamme waren bei dem Krankenhaus, in das sich die Mutter begeben hatte, angestellt gewesen. Die Hebamme hatte bei der Geburt den Wehenschreiber falsch ausgewertet, eingetretene Komplikationen zu spät erkannt und deshalb die beklagte Ärztin nicht rechtzeitig genug herbeigerufen. Das Kind erlitt eine Sauerstoffunterversorgung und kam schwer behindert zur Welt.

Die beklagte Ärztin kann hierfür nach Ansicht des LG allerdings nicht verantwortlich gemacht werden. Wie ein Sachverständiger bestätigt habe, habe die Ärztin, nach-dem sie hinzu gerufen worden sei, alles richtig gemacht. Für das Fehlverhalten der Hebamme hafte sie nicht.

Zwar habe der Bundesgerichtshof für Geburtsmediziner, die als Belegärzte tätig sind, anerkannt, dass mit Übernahme der Geburt – also regelmäßig mit Durchführung der Eingangsuntersuchung im Kreissaal – die Hebamme zum Erfüllungsgehilfen des Arztes werde. Dies gilt nach Ansicht des LG jedoch nicht im Verhältnis zu einem angestellten Arzt. Arbeite eine im Krankenhaus tätige Hebamme mit einem angestellten Arzt zusammen, werde sie als Erfüllungs- und Verrichtungsgehilfin nur für das Krankenhaus tätig.

Landgericht Osnabrück, Urteil vom 24.02.2010, 2 O 3935/04

Quelle: Mandantenbrief – April 2010, Seite 20


 


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