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Begräbnisort richtet sich nach Willen des Verstorbenen oder Totenfürsorgeberechtigten

31.03.12 (Ehe, Familie & Erben, Mandantenbrief)

Eine Mutter ist mit ihrem Begehren auf Verlegung der Urne ihres verstorbenen Sohnes an ihren Wohnort gescheitert. Das Landgericht (LG) Ansbach hat die Lebensgefährtin des Verstorbenen für totenfürsorgeberechtigt angesehen, weswegen ihr auch das Recht zur Bestimmung des Begräbnisortes zustehe.

Auf Veranlassung seiner Lebensgefährtin wurde ein aus Baden-Württemberg stammender Mann, der von Frühjahr 2009 bis zu seinem Tod im Frühjahr 2010 mit seiner Lebensgefährtin in Dinkelsbühl zusammengelebt hatte, nach der Einäscherung auf dem Dinkelsbühler Friedhof beigesetzt. Die Mutter des Verstorbenen klagte gegen die Lebensgefährtin mit dem Ziel, dass die Urne ihres Sohnes von Dinkelsbühl an ihren eigenen Wohnsitz verlegt wird. Dies begründete sie damit, dass der Verstorbene nicht in Dinkelsbühl habe bestattet werden wollen, weil er dort keinerlei Verwandte und Angehörige außer seiner Lebensgefährtin gehabt habe. Die Beklagte habe sich gegen das Recht der nächsten Verwandten, den Begräbnisort zu bestimmen, eigenmächtig hinweggesetzt. Die Beklagte entgegnete, es sei der Wunsch ihres Lebensgefährten gewesen, in Dinkelsbühl bestattet zu werden.

Das AG Ansbach wies die Klage ab, da es nach Anhörung der Beteiligten der Beklagten glaubte, dass der Verstorbene tatsächlich in Dinkelsbühl beigesetzt habe werden wollen. Auf die von der Klägerin eingelegte Berufung hin hatte sich das LG mit dem Fall zu befassen. Dieses meint, dass in einen Fall wie hier, in dem aufgrund widersprüchlicher Angaben der Beteiligten der letzte Wille des Verstorbenen nicht sicher ermittelt werden könne, der Lebensgefährtin das Recht zustand, über den Ort der Beisetzung zu entscheiden.

Die Auswahl des Bestattungsorts sei Bestandteil des sogenannten Totenfürsorgerechts. Dieses übe in erster Linie derjenige aus, den der Verstorbene damit beauftragt habe. Dies müssten nicht die Angehörigen, sondern könne auch die Lebensgefährtin sein, wenn der Verstorbene mit dieser wie hier ein Jahr lang in eheähnlicher Gemeinschaft zusammengelebt habe. Nachdem die Lebensgefährtin die Beerdigungsformalitäten und die Organisation der Beerdigung durchgeführt hatte, war sich das LG sicher, dass das Totenfürsorgerecht und damit die Bestimmung des Begräbnisorts bei ihr lag. Das LG legte der Klägerin daher eine Rücknahme der Berufung nahe. Dem ist diese gefolgt.

Amtsgericht Ansbach, Urteil vom 26.07.2011, 4 C 476/11 und Landgericht Ansbach, 1 S 1054/11

Quelle: Mandantenbrief – März 2012, Seite 21

 


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